Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du sitzt in einer Runde mit anderen Menschen – im Team, in einem Meeting, in einem Gespräch. Und du hast einen Gedanken, eine Idee. Vielleicht auch einen Einwand. Da ist etwas, das du gerne sagen würdest.
Und dann hältst du inne. Nicht lange. Nur für einen kleinen Moment. Nicht, weil dir nichts eingefallen wäre. Da ist es, dieses leise Unwohlsein. Diese kaum greifbaren Frage im Inneren:
Kann ich das jetzt sagen? Ist das doof? Was denken die anderen dann von mir? Werde ich vielleicht sogar belächelt?
Wie sich fehlende psychologische Sicherheit anfühlt
Karin Lausch beschreibt das ziemlich treffend in ihrem Buch „Feel Safe. Be Brave“: Es ist wie das Kratzen eines Wollpullovers auf nackter Haut. Wer das kennt, weiß: Der erste Impuls ist, diesen Pullover sofort ausziehen zu wollen. Aber man kann ihn nicht ausziehen. Man hat ja nichts darunter. Und so juckt und brennt die Haut. Man spürt es ständig. Und zwingt sich dennoch, es auszuhalten, weil es weniger gefährlich erscheint, als sich zu entblößen.
Genau so fühlt sich zwischenmenschliche Angst an. Wir merken, dass sich etwas im Team, in der Familie, in der Veranstaltung etc. nicht gut anfühlt. Dass etwas reibt, juckt, brennt. Und gleichzeitig haben wir das Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Ausgeliefert zu sein.
Denn das Risiko, die eigene Stimme zu erheben, erscheint uns oft gefährlicher, als die Situation weiter stillschweigend hinzunehmen. Wir halten lieber das Jucken und Brennen aus, als uns eine Blöße zu geben.
Was psychologische Sicherheit bedeutet
Psychologische Sicherheit beschreibt ein Klima, in dem Menschen sich trauen, sich zu zeigen. Mit Gedanken, Fragen, Zweifeln, Fehlern und Ideen. Es geht nicht um Harmonie. Nicht darum, immer einer Meinung zu sein.
Sondern um eben diese innere Antwort auf die Fragen:
- Kann ich das hier sagen?
- Darf ich fragen, ohne mich zu blamieren?
- Darf ich widersprechen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen?
Wo diese Sicherheit fehlt, bleiben Gedanken und Ideen unausgesprochen, Risiken unsichtbar und mentale Gesundheit Wunschdenken.
Die 4 Stufen psychologischer Sicherheit
Der Forscher Timothy R. Clark beschreibt psychologische Sicherheit als einen Entwicklungsprozess in vier Stufen:
- Inclusion Safety
Ich gehöre dazu. Ich werde nicht ausgeschlossen. - Learner Safety
Ich darf Fragen stellen, ausprobieren und Fehler machen. - Contributor Safety
Ich darf Verantwortung übernehmen und wirksam sein. - Challenger Safety
Ich darf Bestehendes hinterfragen und Neues ansprechen.
Die 5 Vs, die psychologische Sicherheit stärken
Karin Lausch beschreibst fünf zentrale Wirkfaktoren, die auf psychologische Sicherheit einzahlen, die ich sehr passend finde, da ich sie in meine Arbeit integriert habe und sie nun sogar schön Rahmen kann:
- Vereinbarung – Klarheit darüber, wie wir miteinander umgehen
- Vertrauen – Verlässlichkeit und echtes Zutrauen
- Verbindung – Beziehung vor Rolle
- Verantwortung – für sich selbst und füreinander
- Veränderung – die Bereitschaft, Dinge weiterzuentwickeln
Zum Schluss eine Einladung für dich zur Reflexion:
Wo hältst du dich vielleicht gerade/regelmäßig zurück, obwohl du etwas beitragen/sagen/loswerden möchtest?
Und was würde dir helfen, dich sicherer zu fühlen?
Psychologische Sicherheit
Du wünscht dir Vereinbarung, Vertrauen, Verbindung, Verantwortung und Veränderung?
Dann melde dich gerne bei mir und wir schauen gemeinsam, wo du und dein Team stehen und was ihr gemeinsam machen könnt, um psychologisch sicherer und somit leistungsstärker zusammenzuarbeiten.


