Katja Veit

Die meisten Enttäuschungen im Job haben nichts mit Leistung zu tun.

Lesedauer: 3 Minuten
Die meisten Enttäuschungen im Job entstehen nicht, weil Menschen schlecht arbeiten, sondern weil Erwartungen im Raum stehen, die nie wirklich ausgesprochen wurden und trotzdem als selbstverständlich gelten.

Letzte Woche waren wir im Urlaub in Griechenland. Und wie das mit Kindern ist, waren unsere Erwartungen oft ziemlich unterschiedlich.

Während die einen einfach nur Steine ins Meer werfen wollten, entstand bei den anderen irgendwann das Gefühl, dass man doch auch mal etwas unternehmen könnte. Und wenn die Kinder gerade im Spiel waren, waren wir gedanklich schon beim nächsten Programmpunkt.

Ausgesprochen hat das keiner von uns wirklich. Und genau darin lag das Problem.

Denn was stattdessen entstand, waren keine klaren Absprachen, sondern Tränen, schlechte Laune und dieses leise Gefühl von: So hatte ich mir das eigentlich nicht gedacht.

Was daran so hängen bleibt, ist weniger die einzelne Situation, sondern wie vertraut sich dieses Gefühl anfühlt.

Weil genau das im Job ständig passiert.

Wir gehen in Meetings, Projekte oder Abstimmungen mit ziemlich klaren inneren Bildern hinein. Davon, wie etwas laufen soll, wie gründlich gearbeitet wird, wie viel Abstimmung sinnvoll ist oder wann für uns etwas wirklich „fertig“ ist.

Und gleichzeitig entsteht erstaunlich schnell die Annahme, dass diese Bilder geteilt sind. Ohne dass sie je wirklich geteilt wurden.

Während innerlich schon bewertet wird, arbeitet die andere Seite nach einem völlig anderen Maßstab, der für sie genauso logisch ist. Nicht falsch. Nur anders. Und genau in dieser Lücke entsteht Enttäuschung.

Was diese Dynamik so tückisch macht, ist, dass sie selten sichtbar beginnt. Es gibt keinen klaren Moment, in dem etwas „schiefgeht“. Stattdessen entsteht nach und nach eine Bewertung, die sich sehr schnell wie eine Tatsache anfühlt.

  • Da arbeitet jemand nicht gründlich genug.
  • Da denkt jemand nicht mit.
  • Da fehlt Engagement.

 

Dabei ist die Grundlage oft eine ganz andere. Nicht fehlende Leistung.
Sondern fehlende Klarheit darüber, was überhaupt erwartet wurde.

Erwartungen entstehen aus Erfahrung, aus persönlichen Ansprüchen, aus dem, was wir gelernt haben und für „normal“ halten. Genau deshalb wirken sie für uns so selbstverständlich, dass wir sie selten hinterfragen. Und noch seltener sprechen wir sie aus.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob Erwartungen berechtigt sind. Sondern ob sie überhaupt eine echte Chance hatten, verstanden zu werden.

Was im Alltag einen Unterschied macht, ist deshalb nicht, weniger zu erwarten, sondern Erwartungen so anzusprechen, dass sie Orientierung geben, statt Druck zu erzeugen.

Die folgenden Ansätze wirken auf den ersten Blick simpel, verändern aber oft genau die Momente, in denen Zusammenarbeit kippt

Erwartungen greifbar machen, bevor sie zur Bewertung werden
Gerade das, was offensichtlich wirkt, bleibt oft unausgesprochen. Dabei hilft es, das eigene Bild frühzeitig zu teilen, bevor unterschiedliche Vorstellungen überhaupt zum Problem werden.

Erwartungen nicht voraussetzen, sondern gemeinsam klären
Unterschiedliche Perspektiven werden selten sichtbar, wenn nicht aktiv danach gefragt wird. Eine offene Frage zu Beginn kann mehr klären als jede nachträgliche Korrektur.

Zwischenstände bewusst nutzen, um Erwartungen abzugleichen
Viele Enttäuschungen entstehen am Ende, obwohl sie sich unterwegs schon hätten zeigen können. Ein kurzer Abgleich zwischendurch verhindert, dass sich unterschiedliche Bilder verfestigen.

Verständnis am Ende transparent machen
Oft gehen Gespräche auseinander, obwohl jeder etwas anderes mitnimmt. Das eigene Verständnis auszusprechen und zur Korrektur einzuladen, schafft Klarheit, bevor Missverständnisse entstehen.

Enttäuschung als Hinweis nutzen, nicht als Urteil
Wenn Enttäuschung entsteht, lohnt sich ein kurzer Perspektivwechsel. Nicht sofort im Außen bleiben, sondern prüfen, ob die eigene Erwartung wirklich klar kommuniziert war oder nur implizit im Raum stand.

 

Das alles wirkt unspektakulär. Und genau deshalb wird es im Alltag so oft übergangen. Dabei liegt genau hier ein entscheidender Unterschied. Zwischen Zusammenarbeit, die sich mühsam anfühlt, und Zusammenarbeit, die wirklich funktioniert.

Vielleicht geht es also gar nicht darum, weniger zu erwarten. Sondern darum, Erwartungen so klar zu machen, dass andere überhaupt die Möglichkeit haben, sie zu erfüllen.

Zum Schluss eine Einladung für dich zur Reflexion:

Wann hast du zuletzt erlebt, dass hinter einer Enttäuschung eigentlich eine unausgesprochene Erwartung steckte?

Leistung statt Enttäuschung

Viele Führungskräfte haben das Gefühl, dass es an der Leistung liegt, wenn Dinge nicht so laufen wie erwartet. Oft ist es aber genau andersherum.

Nicht fehlende Leistung ist das Problem, sondern Erwartungen, die nie klar und konkret genug ausgesprochen wurden.

Wenn du das in deinem Team verändern möchtest und Zusammenarbeit bewusster, klarer und wirksamer gestalten willst, dann lass uns gerne ins Gespräch gehen.

Über die Blog-Autorin

Meine Name ist Katja und ich möchte mit meiner Arbeit vor allem Führungskräfte/ Unternehmer:innen und ihre Teams stark machen für die Herausforderungen und Anforderungen, vor denen wir alle täglich stehen. Ich begleite Menschen hin zu mentaler Gesundheit, innerer Stärke, einem positiven Mindset und mehr Gelassenheit in unseren turbulenten Zeiten. Ich bin überzeugt davon, dass Erfolg dadurch nachhaltiger wird.

Bleib Auf dem laufenden!

Wenn du auch in Zukunft mehr von mir, meiner Arbeit und vor allem den Themen, die mich und vielleicht auch dich als Führungskraft/ Unternehmer:in bewegen, lesen möchtest, melde dich gerne zu meinem Newsletter an und verpasse so keinen Blogbeitrag und kein Angebot.

Mehr lesen?